Fahrwerke
Sinnvoll Tieferlegen - Etwas Theorie - Ein Artikel von Winni Reischl
Jeder sportlich
ambitionierte Fahrer, der sich für ein neues Auto interessiert,
hat sich - bewusst
oder unbewusst - Gedanken über seine individuellen Ansprüche an
"sein Fahrzeug" gemacht.
Die Vielzahl von
Anforderungen, die teilweise soweit voneinander abweichen, dass
sie im Zielkonflikt miteinander stehen, versuchen die
Fahrzeughersteller bestmöglichst zu vereinen und damit ein
Angebot für eine Großzahl von Käufern zu realisieren. Anhand
dieser Erkenntnis steht es außer Frage, dass selbst modernste
Kraftfahrzeuge immer nur einen Kompromiss darstellen können!
Hat sich der
Interessent nach Abwägung aller Vor- und Nachteile für ein Auto
entschieden, werden immer noch persönliche Wünsche an dieses
Gefährt bestehen, um aus diesem neuen Serienprodukt das
"Auto seiner Träume" entstehen zu lassen.
Aufgabenstellung:
Ich habe ein
sportliches Serienfahrzeug und möchte die Fahreigenschaften
deutlich verbessern, wobei ggfls. auf einen Teil des Fahrkomforts
verzichtet wird!
Mit dieser
Maßnahme haben wir für den Fahrer ein größeres Potential an
Fahrverhalten
(stabileres
Anlenkverhalten, höhere Kurvengeschwindigkeit) zur Verfügung
gestellt. Außerdem wurde gleichzeitig die Fahrsicherheit und der
Komfort gesteigert. Der hier angesprochene Fahrkomfort bezieht
sich, im Gegensatz zum Roll- und Aufbaukomfort, nicht auf die
Karosseriebewegungen oder -stöße, die auf sie einwirken,
sondern auf den geringeren fahrerischen Einsatz. Der Fahrer kann
mit weniger Aufwand das Auto sportlich schnell bewegen, d. h. das
Fahrzeug läßt sich zielgenau und vorhersehbar im Grenzbereich
bewegen.
Was geschieht nun
aus technischer Sicht am Fahrzeug, wenn es tiefergesetzt wird?
Der Schwerpunkt
des Fahrzeuges wird abgesenkt und somit stehen den
Beschleunigungskräften kleinere Hebel zur Verfügung, mit denen
sie am Schwerpunkt wirken können. Dadurch werden die Wankwinkel
(Aufbaubewegungen um die Fahrzeuglängsachse) und die Nickwinkel
(Aufbaubewegungen um die Fahrzeugquerachse) reduziert. Die Folge
ist unser Wunschergebnis; die max. Querbeschleunigung wird für
fast alle Fahrzeugzustände erhöht.
Der aufmerksame
Leser wird sich jetzt verständlicherweise fragen, wieso
eliminieren wir nicht ganz die Aufbaubewegungen und erreichen
somit die absolut maximale Querbeschleunigung? Das theoretische
Beispiel dafür sind die Go-Karts (keine Federwege - abgesehen
von geringerer Reifenfederung - bei sehr hohen
Querbeschleunigungen). Bei dieser Denkweise muss man jedoch zwei
Punkte berücksichtigen:
1. Diese
Sportgeräte werden lediglich auf ebenen Strecken bewegt
(keine Federwege
notwendig bzw. bei unebenen Fahrbahnen ..."unkontrolliertes
Springen").
2. Die Go-Karts
sind extrem kritisch im Grenzbereich zu bewegen!
Der Grenzbereich
kündigt sich nicht an - das Kart "bricht spontan aus".
Fazit: Eine
Verbesserung des Fahrverhaltens ist nur durch Tieferlegen des
Fahrzeuges in bestimmten Grenzen möglich!
Diese
angesprochenen Grenzen sind von der
kinematischen (Bewegungsabläufe der
einzelnen Achsteile ohne äußere Kräfte
-> auf dem
Prüfstand zu ermitteln)
und elastokinematischen (Bewegungsabläufe der
einzelnen Achsteile unter Einwirkung äußerer Kräfte
-> Achsbewegung
im Fahrbetrieb)
Auslegung und
Abstimmung jedes einzelnen Fahrwerkes abhängig.
Aus diesem
Grunde sollten diese Maßnahmen nur von den Fahrzeug- und
Stoßdämpferherstellern bzw. von versierten Tuningbetrieben
vollzogen oder die entsprechenden Umbauteile von dort bezogen
werden.
Denn nur diese
Fachleute kennen die genauen konstruktiven Gegebenheiten und
optimieren entsprechend verantwortungsvoll bis an die machbaren
Grenzen des jeweiligen Fahrzeuges. Von diesen Experten wird unter
Berücksichtigung aller Gegebenheiten versucht, den
Fahrzeughöhenstand auf ein minimales Maß zu verringern. Dabei
müssen die Veränderungen der achsspezifischen Daten an
Vorderachse (VA) und Hinterachse (HA) ständig im Auge behalten
werden.
So können eine
Kombination von deutlichen Verbesserungen durch vergrößerten
negativen Radsturz (größere Querkraftaufnahme am Rad), eine
geringere Spurweitenänderung sowie eine günstigere
Momentanzentrumslage trotzdem zu einem schlechteren
fahrdynamischen Verhalten führen.
Der Grund liegt in
dem starken Einfluss der nicht beachteten Vorderspurkurve (siehe
Skizze 1).
Dieses Diagramm
stellt den Radhub über dem Vorspurwinkel pro Rad dar, d. h. man
kann für jeden Einfederungszustand des Rades die entsprechende
Vorspur (siehe Skizze 2) ablesen. In unserem Beispiel sind 2
Vorspurkurven dargestellt. Die gestrichelte Kurve stellt eine
extrem untersteuernde VA dar, die hier genau analysiert werden
soll. ![]()
Ausgehend von Radhub 0 mm
(Konstruktions- bzw. Normallage = Höhenstand, auf dem die
konstruktive Fahrzeugauslegung basiert)
wird das
Fahrwerk um 30 mm tiefergelegt (gestrichelte waagerechte Linie).
Somit verändert sich die statische Vorspur, ausgehend von 8´
Vorspur (Schnittpunkt: Radhub 0 mm - gestrichelte Vorspurkurve)
um 8´ in Richtung Nachspur.
Die neue
Grundeinstellung hat zur Folge, dass das Fahrzeug schlechter
geradeaus läuft und verzögert auf Lenkaktionen anspricht. Ein ähnlich
dominantes Ergebnis mit umgekehrter Tendenz wird bei der
durchgezogenen (übersteuernden) Vorspurkurve erreicht. Ausgehend
von 8´ Vorspur nimmt bei 30 mm Einfederung der Spurwinkel um
11´ auf 19´ Vorspur zu. Diese Achsdatenänderung
führt zu giftigem Anlenkverhalten und heftigen
Spurrillenreaktionen.
Dieser
kleine Ausflug in die kinematischen Bereiche einer
Achskonstruktion und -abstimmung soll die Komplexität dieses
Teilbereiches aufzeigen!
So
umfangreiche Aufgaben, wie das Kürzen von Tragfedern, Abstimmen
der Zusatzfedern bzw. Endanschläge, Anpassung der Dämpfer (Zug-
und Druckdämpfung für Aufbau und Rad) zu beschreiben, würde
hier zu weit führen. Grundsätzlich sollte jedoch bedacht
werden, dass bei Fahrwerküberarbeitungen neben all diesen
Einflussgrößen auch weniger bekannte, aber mindestens ebenso
wichtige Maßnahmen berücksichtigt werden müssen.
Als Beispiel
ist dafür die Parallelfederung zu nennen, d. h. das Schwing- und
Dämpfungsverhalten von VA und HA muss aufeinander abgestimmt
werden.
Abschließend kann
man sagen, dass nicht alleine die Größe einer Tieferlegung das
Markenzeichen für das beste Fahrwerk ist. Wirkliche Vorteile
kommen nur da zum Tragen, wo Verstand, Können, Erfahrung und
Vernunft gepaart ein fahrtechnisch überlegenes Produkt
geschaffen haben.
Optisch wird
das nicht der "Überrenner" sein, fahrdynamisch werden
sich jedoch solche Vorteile einstellen, dass der geschulte Fahrer
dieses optimale Fahrwerk nicht nur bedeutend schneller, sondern
auch noch sicherer und somit verantwortungsvoller auf den
entsprechenden Strecken bewegen kann.
Winfried
Reischl
Sinnvoll Tieferlegen - Federauslegung
Aufbauend auf
den Bericht der Alpine-Post Winter 89/90, der einen allgemeinen
Überblick über die Gesamtproblematik einer
Fahrwerkstieferlegung gab, soll hier speziell über eine
effektive Federüberarbeitung gesprochen werden.
In der angesprochenen Abhandlung erklärten wir bereits die
Anforderung an das Federungssystem. Die Federungseigenschaften
wiederum hängen von vielen Parametern ab.
So sind ein Großteil der Daten fahrzeugspezifische Größen, die
bereits im Grundpackage vom Kfz-Hersteller festgelegt werden.
Diese Basisdaten, so z. B. Radstand, Spurweite,
Motor-Getriebe-Aufhängungen, Gewicht der Achsen und
Lenkverlagerungen, eignen sich nicht als Angriffspunkte für eine
Optimierung, da solch grundlegende Abänderungen zu nicht
beabsichtigten ungeahnten Nebeneffekten führen können. Im
Gegensatz dazu gibt es einige Bauteile am Fahrwerk, die sich
besonders für Überarbeitung anbieten, und man mit bereits
geringen Mitteln zu überraschenden Ergebnissen gelangen kann. Im
Rahmen dieser Bauteile möchte ich ganz speziell zum einen die
Tragfedern in Verbindung mit den Zugfedern sowie die
Stabilisatoren und zum anderen die Stoßdämpfer nennen. Auch
wenn wir uns diesmal lediglich mit der Federung beschäftigen,
muss darauf hingewiesen werden, dass eine vernünftige
Fahrwerksüberarbeitung immer eine gemeinsame Bearbeitung von
Federung und Dämpfung vorsieht!
Die Notwendigkeit der Federung ist aus Gründen der
Fahrsicherheit und des Fahrkomforts gegeben. Weiterhin aber auch
zur Schonung von Fahrzeug und Fahrbahn ist die Feder zwischen den
ungefederten Massen (Rädern, Teile der Radführung) und den
gefederten Massen (Aufbau, Antrieb und Teile der Achsen)
notwendig. Diese Feder ist ein elastisches Bauteil, das unter
Last seine Form verändert, ohne dabei schädliche
Überbeanspruchung zu erleiden.
Das Bauglied wandelt als Energiespeicher kinetische Energie in
potentielle um und umgekehrt.
Je nach Bauart der Feder wird Stoßenergie ganz oder teilweise in
Formänderungs- Reibungsarbeit (Schwingen) umgesetzt und damit
die Einwirkung einer Stoßkraft auf die abgefederten Teile
aufgehoben. Dieser Freiheitsgrad wird als Radfederweg bezeichnet
und stellt die Strecke dar, um die das Rad - ausgehend von seiner
"Null- bzw. Konstruktionslage" - bis zum Anschlag
(Zusatzfeder auf "Block") einfedern kann. Um einen etwa
gleich großen Weg kann es bei Entlastung nach unten ausfedern.
Relativ zum Aufbau können die beiden Räder einer Achse gleich-,
wechsel- oder einseitig federn. Die Rate bei gleichseitiger
Federung bestimmt den Fahrkomfort; diese wird für parallel zum
Boden erfolgende Bewegungen des Aufbaus ausgelegt (der
Stabilisator wirkt quasi nicht!). Wechselseitige Federung ist
vorhanden, wenn bei waagerecht verbleibendem Aufbau ein Rad nach
oben und das andere entsprechend nach unten geht, oder aber sich
der Aufbau bei Kurvenfahrt neigt. Maßgeblich für den Wank- oder
Rollwinkel unter Einfluss einer Seitenkraft sind sowohl die Raten
der Federn an VA und HA, als auch eingebaute Stabilisatoren. Bei
einseitiger Federung bewegt sich nur ein Rad nach oben oder
unten; in die Rate spielt auch bei dieser Federungsart der
Stabilisator mit herein.
Als Begrenzung dieser Radfederwege werden Druckanschläge bzw.
Zusatzfedern eingesetzt. Erstere setzen erst gegen Ende des
Federweges ein und haben lediglich zur Aufgabe, den Federweg ohne
Geräuschbelästigung zu begrenzen (Achtung: In diesem Falle kann
durch die plötzlich stark progressive Federverhärtung ein
deutlich verändertes Fahrzeugverhalten eintreten, z. B.
Aufstützen an der HA = Übersteuern). Zusatzfedern dagegen
kommen weit früher zur Anlage und nehmen über einen größeren
Weg die Federungsarbeit mit auf, voll zusammengedrückt dienen
sie dann als Endanschläge.
Bevor wir uns jetzt mit der Praxis, d. h. mit dem Tieferlegen
eines Fahrzeuges beschäftigen,
müssen noch theoretische Betrachtungen durchgeführt werden.
Anhand der Kinematikkurven (z. B. Vorspurkurve - ohne äußere
Kräfte) wird das max. Maß, um das dieses Fahrwerk abgesenkt
werden kann, ermittelt. Als zweite vorbereitende Arbeit muss die
Achslastverteilung und somit die prozentuale Gewichtsverteilung
auf VA und HA ermittelt werden. Für das Fahrzeuggesamtgewicht
ist es egal, ob ein Beifahrer mit 70 kg zusteigt oder ob die
gleiche Masse im Kofferraum untergebracht wird. Jeweils wird das
Auto um 70 kg schwerer! Für die einzelnen Achsen bedeutet dies
jedoch folgendes: Steigt ein Beifahrer ein, so wird ein großer
Anteil dieser Masse auf die VA und der verbleibende Rest als
Belastung sich auf die HA niederschlagen. Placiert man jedoch das
Kofferraumgewicht hinter der HA, so wird die VA entlastet und die
HA entsprechend stärker belastet.
Nach drei vorbereitenden Arbeiten soll jetzt ein Beispiel
betrachtet werden, das stellvertretend für sportliche Autos
ähnlicher Bauart (Mc-Pherson-Federbein - VA und HA) anzusehen
ist. Dabei gehen wir, unter Berücksichtigung eines noch
vernünftigen verbleibenden Einfederweges (bei gleichem
Gesamtfederweg) von einer Tieferlegung von DS = 30 mm aus.![]()
Somit müssen wir in unserer Federkurve für die VA (s. Diagramm)
den Punkt N (Normlage bei Normgewicht = 3 Personen + Gepäck) um Ds = 30 mm auf Punkt N¹.verschieben. Da
wir aber die gleiche Feder beibehalten haben, muss eine
Parallelverschiebung der Federkennung um die Strecke Df (senkrecht nach unten) erfolgen. Die
neu gewonnene Federkennung (-.-.) mit entsprechenden
Einsatzpunkten ist auf der Federweg-Achse um 4 mm verschoben, d.
h. der Gesamtfederweg wurde geringfügig von 159 mm um 4 mm
reduziert. Somit erhalten wir einen Resteinfederweg von 55 mm in
Normlage. An der HA wird vergleichbar wie an der VA verfahren.
Jedoch muss bei 30 mm verringertem Einfederweg der Kompromiss
einer niedrigeren HA-Last eingegangen werden, d. h. das Fahrzeug
erhält bei der notwendigen TÜV-Abnahme lediglich die Zulassung
für 4 Personen.
Ist die Tieferlegung vollzogen, muss die sich einstellende
Kinematik beider Achsen untersucht werden, da wir uns jetzt bei
allen fahrwerkspezifischen Kennungen um 30 mm im Einfederbereich
befinden.
Welche Folgen das für unsere hier betrachteten
Mc-Pherson-Federbeinachsen hat, möchte ich noch kurz am Beispiel
der VA erwähnen. ![]()
Bedingt durch eine stark gekrümmte Sturzkurve erzielen wir mit
unserer Maßnahme eine Verringerung des positiven Sturzes um ca.
50 , was einen deutlichen Gewinn an Querkraftaufnahme am Rad
bedeutet. Weiterhin erhalten wir so eine geringe
Spurweitenvergrößerung. Das hat hier zur Folge, dass trotz
tiefergelegtem Fahrzeug, in Kombination mit einem tieferen
Momentanzentrum (größerer Fliehkrafthebelarm) die Wankneigungen
des Aufbaues kaum reduziert sein werden!
Wie sich jedoch die theoretisch erarbeiteten und ausgeführten
Arbeiten dann letztendlich subjektiv und objektiv auswirken,
ergibt erst der Fahrversuch. Mit Hilfe dieser Versuche wird dann
basierend auf einer gesunden Ausgangsbasis die optimale
Fahrwerksabstimmung vollendet.
Um Sie, liebe Leser jedoch nicht zu entmutigen, möchte ich als
Trost und aufbauende Stütze Sie damit beruhigen, dass ein
großes Team von erfahrenen Fahrwerksspezialisten
"Jahre" für dieses "Optimum" benötigten,
welches wir uns jetzt mit wenigen Worten versuchten näher zu
bringen!
Winfried Reischl
Sinnvoll Tieferlegen - Dämpferanpassung
Abrundend zu
den Berichten der zwei letzten Alpine-Post-Ausgaben, die sich mit
der Gesamtproblematik einer Fahrwerkstieferlegung sowie der
entsprechenden Federauslegung beschäftigen, wollen wir uns heute
genauer mit dem Thema "Stoßdämpfer" befassen.
Wie bereits in den oben angesprochenen Abhandlungen mehrmals
darauf hingewiesen, soll auch hier nochmals erwähnt werden: Eine
Fahrwerksüberarbeitung muss als Ganzes gesehen werden,
d. h. auch wenn wir uns heute lediglich mit der Dämpfung
beschäftigen, muss in der Praxis dieses Thema immer im
Zusammenhang mit der Federung betrachtet und bearbeitet werden!
Um die Notwendigkeit des "Stoßdämpfers" bzw. richtig:
des Schwingungsdämpfers festzustellen, bietet es sich an, die
richtige Namensbezeichnung dieses Bauteils zu analysieren. Es
soll die Vertikal-Schwingungen (hervorgerufen durch
Bodenunebenheiten und über die Federung entsprechend
weitergegeben) der Radaufhängung und somit auch der Karosserie
dämpfen - dieser Anspruch erfüllt die Anforderung an den
Fahrkomfort. Weiterhin soll der Dämpfer dynamische
Radlastschwankungen mindern und das Springen von Rädern
verhindern - Anforderungen der Fahrsicherheit.
Bevor wir uns mit den Auslegungskriterien eines Dämpfers
beschäftigen, soll der Aufbau sowie die Wirkungsweise
verschiedener Ausführungsbeispiele näher betrachtet werden. Ein
Schwingungsdämpfer heutiger Kraftfahrzeuge besteht aus einem mit
Dämpferöl gefüllten Zylinderrohr, in dem der an einer
Kolbenstange befestigte Kolben bewegt wird und dabei unter
Aufbringung von Kraft die Flüssigkeit durch definierte
Drosselventile verdrängt. Beim Einfahren der Kolbenstange wird
durch das zusätzliche Kolbenstangenvolumen eine
Ausgleichsmöglichkeit für das Öl benötigt.
Beim Einrohr- oder Gasdruckdämpfer
(siehe Bild 1) drückt der bewegliche Trennkolben (2) das
Gaspolster (3) fester zusammen.
Bei entgegengesetzter Bewegung der Kolbenstange (1) drückt das
Gas den Trennkolben wieder in die Ausgangslage.
Der Zweirohr-Stoßdämpfer B nimmt das vermehrte
Flüssigkeitsvolumen über das Bodenventil (2) im Ausgleichsraum
(4) (im äußeren Raum) auf. Beim Zurückfahren der Kolbenstange
fließt das Öl auf demselben Weg zurück.
Dämpfer C vereint die zwei Prinzipien der zuvor beschriebenen
Ausführungen. Der zusätzliche Niedergasdruck im Ausgleichsraum
(3) schiebt die Kolbenstange wie beim Gasdruckdämpfer nach dem
Einfahren wieder in die Ausgangslage zurück.
An positiven Eigenschaften sind für den Gasdruckdämpfer,
bedingt durch das vorgespannte Öl, die kraftschlüssigen
Dämpferfunktionen auch bei hohen Frequenzen, geringe
Temperaturabhängigkeit sowie beliebige Einbaulage gegenüber dem
Zweirohrsystem zu nennen. Als Nachteile müssen die geringeren
Variationsmöglichkeiten bei der Einstellung sowie die
temperaturabhängige Kolbenausschubkraft (=
Höhenstandsänderung) erwähnt werden.
Wie bereits eingangs beschrieben, soll der Schwingungsdämpfer
die Relativbewegungen zwischen Radaufhängung und Karosserie
positiv beeinflussen. Dazu ist er an diesen Bauteilen befestigt
und wird teleskopartig auseinandergezogen (Zugstufe) sowie
zusammengedrückt (Druckstufe). Die Drosselventile im
Schwingungsdämpfer sind so angeordnet und ausgelegt, dass sie in
beiden Bewegungsrichtungen - Einfedern = Druck-/Ausfedern =
Zug-Dämpfungsarbeit für Karosserie und Radaufhängung
verrichten. Dabei wird die Strömungsenergie des Dämpferöles in
Wärme umgesetzt und somit auch abgebaut.
Entscheidend für die Dämpfungskraft ist die Abhängigkeit von
der Kolbengeschwindigkeit im Gegensatz zur Federung, die der
Wegabhängigkeit unterliegt.
Da im Rahmen unserer Fahrwerk-Überarbeitungsmaßnahmen das
Fahrzeug Vorteile in Punkto Straßenlage erlangen soll, können
wir davon ausgehen, dass unser Fahrzeug tiefergelegt wird und
somit auch harte Federn erhält. Damit die Dämpfer diesen neuen,
höheren Anforderungen gewachsen sind, müssen die Kennungen
entsprechend "angezogen" werden. Diese Arbeiten sind
äußerst schwierig und überfordern den Laien. (Eine
Dämpferabstimmung für ein Serienfahrzeug bedarf für lediglich
eine Ausführungsvariante ca. 4 Wochen!)
Nach jeder Dämpferumstellung werden die Dämpferkennungen
ermittelt und in einem Dämpferdiagramm festgehalten (siehe Bild
2).![]()
Die Messungen finden auf einer Dämpferprüfmaschine statt. Dabei
werden bei konstantem Hub und stufenweise variierten Drehzahlen
(im Diagramm: Kolbengeschwindigkeiten) die Prüfwerte ermittelt.
Das Verhältnis von Zugstufenkraft zu Druckstufenkraft bewegt
sich erfahrungsgemäß von 3 : 1 bis 6 : 1.
Betrachtet man sich den Verlauf der einzelnen hier aufgeführten
Dämpferkennungen über der Kolbengeschwindigkeit, so erkennt man
drei charakteristische Verläufe.
1. Die progressive Kennung:
sehr geringe Kräfte im Aufbaubereich (bis ca. 0,39 m/s), d. h.
die Karosserie kann sich sehr frei bewegen - was zu komfortablem
Abrollen führt - die bei höheren Kolbengeschwindigkeiten stark
ansteigenden Kräfte weisen auf ausgeprägte Raddämpfung hin.
Somit wird das Radspringen unterbunden und die Bodenhaftung
speziell auf ungleichmäßigen Fahrbahnen erhöht.
2. Die degressive Kennung der Schwingungsdämpfer übt bereits
bei geringen Dämpfergeschwindigkeiten ein hohes Kraftniveau aus.
Damit werden kleine Bodenunebenheiten wesentlich schlechter
geschluckt.
Dagegen steht eine höhere Wankstabilität beim Aufbau von
Querbeschleunigungen. Ebenso sind Verbesserungen im Anfahr- und
Bremsnicken durch diese Maßnahme zu erwarten.
3. Die lineare Dämpfung kann unter Umständen einen akzeptablen
Kompromiss darstellen.
Trotz all dieses hier aufgeführten theoretischen Wissens ist
noch lange nicht die Gewähr dafür gegeben, dass die Umsetzung
zu einem optimal sportlich abgestimmten Fahrzeug führt.
Dafür verbürgen sich die Experten auf diesem Gebiet mit dem
Einsatz ihres ganzen Könnens und Wissens! Diese Fachleute
alleine sind in der Lage, unter Berücksichtigung all der hier
angesprochenen Punkte, ein optimales Fahrzeug für den
sportlichen Fahrer bereitzustellen.
Sie, liebe Leser, sind angesprochen sich als Experten auf dem
Sektor "Verantwortungsvolles Fahren" zu zeigen, indem
Sie sich mit dem "optimalen Fahrzeug optimal auf der Straße
bewegen"!
Winfried Reischl